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„Es hat sich gezeigt, dass Dinge wie Homeoffice und Distance Learning funktionieren können.“

„Es hat sich gezeigt, dass Dinge wie Homeoffice und Distance Learning funktionieren können.“

© Finn Winkler

Das Sommersemester 2020 ist ein digitales gewesen. Tim Mahler, Student im 6. Fachsemester Bachelor Wirtschaftswissenschaft und studentischer Mitarbeiter im Institut für Banken und Finanzierung, gab Auskunft, wie die Pandemie seinen Studienalltag verändert hat, was uns die Krise lehrt und welche Pläne er hat.

Hallo Tim, als wir zu Beginn des Jahres hier in Deutschland noch mit einer gewissen Distanz auf die Ereignisse in Wuhan geblickt haben, sind Sie gerade durch Asien gereist. Bitte erzählen Sie, wie es dazu kam.

Ich habe über ein Austauschprogramm unser Fakultät ein Semester in Kalifornien studiert und habe dann Mitte Januar ein Praktikum bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Südkorea angetreten. Zwischen diesen beiden Stationen habe ich mir einen Monat Zeit genommen, um insgesamt sechs Länder Asiens zu besuchen.  

 

Südkorea meldete seinen ersten Covid-19-Fall am 20. Januar. Am 2. März waren dort schon knapp 110. 000 Menschen auf das neuartige Coronavirus getestet. Wie haben Sie als Ausländer in Seoul die Ereignisse erlebt?

Es war sehr deutlich erkennbar, dass die Bevölkerung Südkoreas bereits in einem frühen Stadium der Pandemie besorgt war. Das hat sicherlich mit den Erfahrungen mit dem MERS-Ausbruch aber auch mit gesellschaftlichen Traditionen, wie dem enormen Respekt der Koreaner vor älteren Menschen und dem Bedürfnis des Schutzes dieser Bevölkerungsgruppe, zu tun. Auffällig war vor allem, dass das Corona-Virus in Südkorea tendenziell eher mit Vernunft und Freiwilligkeit statt mit staatlich angeordneten Verboten bekämpft wird.

 

Auch der Staat hat eine enorme Innovationskraft bewiesen. Südkorea hat mit den Drive-In-Coronatests angefangen und den Zugang zu diesen unbürokratisch ermöglicht. Man bekommt dort außerdem automatisch Nachrichten auf das Handy, wenn man sich Orten nähert, an denen das Coronavirus übertragen wurde. Auch eine drohende Maskenknappheit wurde effektiv bekämpft. Gleichwohl ist es für nicht dauerhaft in Korea lebende Ausländer ohne nennenswerte Koreanischkenntnisse nicht immer leicht. Beim zentralen Maskenausgabeprogramm war man beispielsweise ausgeschlossen, weshalb es gut war, einige Koreaner zu kennen und hilfsbereite Kollegen zu haben.

 

Zurück zu Ihrem Studienalltag hier in Hannover. Hinter Ihnen liegt ein digitales Sommersemester. Welche gravierenden Veränderungen hat die Pandemie in Ihr Studium gebracht und wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe bereits vor Corona häufig davon Gebrauch gebracht, mit Lehrbuch und Skript statt Vorlesungsbesuch zu lernen. Dennoch sind die Veränderungen groß, insbesondere was die Durchführung von Seminaren angeht. Auch die Kommunikation mit Lehrenden hat sich verändert, da man bei asynchronen Vorlesungen Fragen erst im Nachhinein stellen kann. Dadurch ist es für die Lehrenden schwieriger geworden, einzuschätzen, welche Inhalte leicht verständlich sind und wo genaueres Erklären nötig ist. Letztlich habe ich mich aber schnell an die Veränderungen gewöhnt und das selbstbestimmte Arbeiten genossen.

 

Das Leben in Zeiten einer Pandemie ist zum großen Forschungsfeld für Soziologen und Psychologen geworden. Danach verändert Corona nicht nur unseren Alltag, sondern auch unser Verhalten und unsere Werte. Was lohnt es nach Ihrer Meinung, aus dieser besonderen Zeit zu bewahren?

Die Coronakrise kann insbesondere in Deutschland zu einem veränderten Menschenbild führen. Es hat sich gezeigt, dass Dinge wie Homeoffice und Distance Learning funktionieren können, und dass man nicht immer skeptisch sein muss, Menschen mehr Freiheiten zu überlassen – sei es in der Berufswelt aber auch im Hochschulleben.

Sicherlich wird auch dem Einen oder Anderen klarer geworden sein, wie wichtig die Beschäftigten im Lebensmitteleinzelhandel und in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sind. Gleiches gilt für Schulen und Kindergärten. Den systemrelevanten Berufsgruppen besonderen Respekt entgegenzubringen, ist in meinen Augen ein Verhalten, das langfristig beibehalten werden sollte.

 

Sie werden ab Oktober zum Masterstudium an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität gehen. Welche Beweggründe haben Ihre Entscheidung für Bonn beeinflusst und welche Pläne haben Sie nach dem Studium?

Vor allem hat mich beim VWL-Master der Uni Bonn die mikroökonomisch-quantitative Ausrichtung der Fakultät überzeugt. Auch die Internationalität dieses rein englischsprachigen Studiums, bei dem mehr als die Hälfte der Studierenden nicht aus Deutschland kommen, hat eine große Rolle in der Entscheidung gespielt.

Nicht zuletzt erlaubt mir die Forschungsstärke des Fachbereichs VWL, dass ich mich optimal auf ein PhD-Studium vorbereiten kann, das ich gerne im Anschluss an den Master aufnehmen möchte. Insbesondere ein Promotionsstudium in Skandinavien oder einigen asiatischen Ländern könnte ich mir gut vorstellen.

 

Wir wünschen Ihnen Erfolg für Ihre Vorhaben. Vielen Dank für Ihre Auskünfte.

Verfasst von BBW